Todesangst: Eingeschriebener Brief
- office59443
- 14. Sept.
- 2 Min. Lesezeit
Noch immer kommen Wellen der Angst hoch – immer weniger, doch bis alte Angst vollständig gefühlt ist und den Körper verlässt, dauert es seine Zeit.
Ob in meinen Träumen, wo ich immer im Krieg war, mich nicht bewegen durfte und nicht atmen (ja, ich habe tatsächlich im Schlaf aufgehört zu atmen – aus real gefühlter Angst), weil ich sonst gefunden und erschossen oder vergewaltigt werde. Ob diese Angst eine Generationsangst ist oder eine Manifestation aus dem von mir Erlebten – denn wenn ein Kind in einer dysfunktionalen Umgebung aufwächst, so weiß die Wissenschaft heute, wird das Gehirn auf Krieg umprogrammiert. Oder vielleicht auch eine Mischung aus beidem?
Woher auch immer der Ursprung – sie möchte, so grauslig und intensiv sie sein mag, gefühlt werden, um sich dann zu verabschieden.
Meine Unternehmungen in den letzten Jahren, mein Leben dramafrei zu gestalten, verschaffen mir mit jedem Schritt ein Sicherheitsnetz, in dem ich keine Angst mehr haben muss. Doch solange noch Reste davon im Körper sind, kann der Geist sich so sicher fühlen, wie er möchte – die Angst bahnt sich ihren Weg. Meist in Situationen, die völlig unverhältnismäßig sind.
Bei mir: Ein gelber Zettel im Briefkasten.Ein eingeschriebener Brief.
Ich fand das „Urteil“ im Postkasten und musste ganze 12 Stunden warten, bis ich Erlösung finden konnte. Doch anstatt den Zettel einfach zur Seite zu legen und am nächsten Tag bei der Post zu erfahren, worum es sich handelt, hatte mein Nervensystem andere Pläne:
Es malte sich alle, noch so weit hergeholten Situationen aus – woher dieser Brief kommen könnte und welche Auswirkungen er nun auf mein Leben haben kann.
Bis mich irgendwann ein Gedanke aus dieser Abwärtsspirale aussteigen ließ:Wie arg ist es eigentlich, dass ich eher dieses oder jenes dramatische und absolut konstruierte Szenario glauben kann, als dass es einfach nichts Wesentliches ist? Oder etwas leicht Lösbares?
Denn die ausgemalten Situationen hatten nichts mit meiner tatsächlichen Lebenssituation zu tun. Es gab also keinen logischen Grund, zu denken, dass irgendetwas davon hinter dem gelben Zettel steckt. Also Handy hergeholt, die Nummer gegoogelt – vielleicht gibt sie ja Auskunft über die Herkunft. Doch auch hier: kein Erfolg.
Am nächsten Tag – ich war natürlich 20 Minuten vor Postöffnungszeit schon vor Ort, um nervös auf und ab zu laufen und noch weitere Szenarien samt Überlebensstrategien zu kreieren – kam dann die Auflösung.
Ich öffnete den Brief. Es handelte sich um eine vermeintlich offene Rechnung von 70 Euro, die sich nach einem kurzen Telefonat als längst bezahlt herausstellte.
Kennst du auch Situationen, in denen dein Kopf sofort ins Worst-Case-Denken schaltet – und

sich die Angst später als völlig unbegründet herausstellt? Wenn du sie teilen möchtest in den Kommentaren, tu dies, damit wir erkennen wir sind nicht allein mit unseren Ängsten!


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